... wie Risse im Schatten..., op. 7 (1988-1989)

Ausgangspunkt des Konzeptes von "...wie Risse im Schatten..." bildet Jean Gebsers (1905-1973) Buch "Ursprung und Gegenwart" (1947-1952; DTV, 1973), das einen Beitrag zur Geschichte der menschlichen Bewusstwerdung darstellt. Darin beschrieb er fünf verschiedene Phasen: archaisch, magisch, mythisch, mental und integral (allerdings zweifelte auch Gebser daran, ob uns noch genügend Zeit verbleiben wird, um die letzte, die "integrale" Stufe zu erreichen).
In meiner programmatischen Umsetzung stellt der Solist das menschliche Individuum dar, das die verschiedenen Bewusstseinsstufen durchlebt. Ausgehend vom archaischen "Nichtbewusstsein" (Introduzione) über das magische "Bewusstsein der Umwelt" (Adagio), zur mythischen Seelenerkenntnis (Fantasia) und zum "mental-perspektivisch-gerichteten Denken" des heutigen Menschen (Quasi una Sonata), agiert und reagiert der Flötist in Vernetzung mit seinem Innen und Aussen (Orchester).
Die äussere Form der Komposition ist einsätzig. Den verschiedenen Phasen der Geistesentwicklung entsprechend habe ich jedoch das Werk in vier grössere Abschnitte und zwei kurze Codas (Vision von Gebsers integralem Bewusstsein und eine aus meiner Sicht realistischere Zukunftsperspektive) unterteilt, die aber alle überlappend miteinander verbunden sind.
Das Werk entstand auf Anregung des Flötisten Heinrich Keller, welchem die Komposition auch freundschaftlich gewidmet ist. Mit Unterstützung der Musikkreditkommission Basel Stadt, dem Musikkollegium Winterthur und der Stiftung Pro Helvetia.

mp3

1. Introduzione (archaisch)

2. Adagio (magisch)

3. Fantasia (mythisch)

4. Quasi una sonata (mental)

5. Coda I und II (integral)