Nacht - Hirngespinste für Kammerorchester,
op. 14 (1996-1997)

Heute ist die elektrifi zierte Nacht entmythologisiert. Und den Traum holten wir in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts nach und nach aus der Domäne der Psychoanalyse heraus und überführten ihn in die nüchternen Laboratorien der Neurobiologie. – Meine Nacht ist eine fi ktive Nacht, keine wirklich erlebte, sondern eine künstliche, hypothetische Nacht. Sie ist einer realen Nacht nachgebildet – etwa im Massstab 1:60 – und dauert gut zehn Minuten. Es handelt sich also um eine «transkomponierte Nacht». In ihr werden zwei heute weitverbreitete menschliche Nachtverhaltensweisen einander gegenübergestellt: Einerseits das gelangweilte Herumzappen vor der glitzernd-leuchtend-farbigen Mattscheibe und andererseits der anschliessende Schlaf in seinen verschiedenen Phasen. Während sich beim TV-Surfen die krassesten Gegensätze bruchartig aneinanderreihen, werden im Traum alle Gegensätze sofort miteinander verbunden, werden Übergänge zwischen scheinbar Unverbindbarem problemlos vollzogen. «Transkomposition» meint hier eine Programmmusik, die nicht nur den oberflächlichen Eindruck einer aussermusikalischen «Szenerie» im Hörer evozieren will, sondern eine Musik, die, quasi mikroskopisch-genau, vielschichtige Realitäten abzubilden versucht.
So wird die Nacht grundlegend bestimmt durch nächtliche Veränderungen der Pulsfrequenz, der Körpertemperatur und des Atems, aber auch durch diverse wellenförmig dargestellte elektronische Hirnströme in den verschiedenen Wach- und Schlafzuständen. – Nacht entstand im Auftrag des Berner Kammerorchesters und der Basler Musikkredit-Kommission. Sie ist dem Dirigenten der Uraufführung, Johannes Schlaefli, freundschaftlich zugeeignet.